Eine wahre Gaumenfreude bereitet Christoph Ribbat
seinen Lesern mit diesem Büchlein. Es ist angerichtet in vier köstlichen Gängen; diese wiederum portioniert in eine Vielzahl kurzer, leicht bekömmlicher Kapitel. Jedes einzelne davon macht buchstäblich Appetit auf mehr!

Ribbats Buch ist ein Lehrstück über die Geschichte der Gastronomie. Für manch einen mag dieses Thema so reizvoll und spannend sein, als würde man Farbe beim Trocknen zusehen, aber weit gefehlt!

Dass George Orwell mal Hilfskellner war und wegen seines Bartes gefeuert wurde, erfährt man hier beispielsweise oder was ein 31-Gänge-Menü so alles beinhalten kann und worauf Elvis nach dem Liebesakt Appetit hatte. Es geht um Michelinsterne und Fastfood, Dönerimbisse und Nouvelle Cuisine, Rassismus und Restaurantkritiker; kurz: Um die ganze Bandbreite des Lebens an den Töpfen, im Gastraum und weit darüber hinaus. Ribbats Werk bietet eine schier unendliche thematische Vielfalt, die man in einer Abhandlung über Gourmettempel nicht erwartet hätte.

Die Passage, mit der sich Christoph Ribbat die Aufnahme in meine kleine Sammlung verdient hat, bezieht sich auf den Beruf des Kellners in vergangenen Tagen und ist wie folgt angerichtet:

Sie lächelten, machten Small Talk, vermittelten Gästen positive Gefühle. Darsteller ihrer selbst waren sie, oft auch Darsteller ihrer ethnischen Identität. Dafür erhielten sie Trinkgeld, in auf den ersten Blick irrationalen Entgelt-Ritualen, die im industriellen Kontext seltsam wirkten. Heute aber, im nächsten Jahrhundert, sind diese Arbeits- und Entlohnungsformen in der leistungsorientierten Gesellschaft an der Tagesordnung. Heute sind wir alle Kellner.

Eine großartige Allegorie, dieser letzte kurze Satz!

Ich habe dieses Buch verschlungen, vernascht, mir auf der Zunge zergehen lassen – und jede einzelne Silbe genossen.

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