Ob es am vertrauten Klang des Namens Holger
lag, der mich zu dieser kleinen, aber feinen Gedichtsammlung geführt hat? Ich weiß es nicht mehr.

Der Reim

Holger verzeiht nicht, er tut lieber weh –
ein echter Chuck Norris im Kleid einer Fee.

aus dem Gedicht „Holger, die Waldfee“, dessen Titel der Slampoet Lars Ruppel gleich dem gesamten Büchlein verliehen hat, ist auf jeden Fall ein Stück Lyrik, welches man nicht so schnell wieder vergisst. Vorweg: Diese Zeilen stehen symbolisch für die vielen gelungenen Reime, die mir in dem kleinen Bändchen gefallen haben, die ich hier aus verständlichen Gründen aber in ihrer Gesamtheit weder zitieren darf noch will.

Ruppel widmet sich in seinen 10 plus eins Gedichten diversen Gestalten, die man aus Sprichwörtern seit Ewigkeiten kennt, bei denen man sich aber schon immer gefragt hat, wie sie zu ihren Namen kamen. Neben Holgers Kampf gegen die Abholzung  lernt man, was ein Strohsack mit Religion zu tun hat und wie der heilige Bimbam in die Sache verwickelt ist, was Herr Specht nicht schlecht gemacht hat und warum man Schmidts Katze nicht über den Weg trauen darf.

Für meinen Geschmack ist jede der knapp 60 Seiten dieser Sammlung ein kleines Kunstwerk für sich. Lars Ruppel zwingt der Leserschaft einerseits die Tränen in die Augen, wenn sie sich die Figuren und ihre Handlungen und Erlebnisse bildlich vorstellt. Der Autor versteht es, Allerweltsbegriffen wie „Heidewitzka“ oder dem „alten Schweden“ tatsächlich Leben einzuhauchen. Er hat den Witz und das Talent, aus dem Nichts Figuren zu erschaffen und ihnen Geschichten auf den Leib zu schneidern, die von dem Augenblick an, in dem man das Gedicht einmal gelesen hat, auf alle Zeiten untrennbar mit dem Charakter verbunden sein werden.

Andererseits hat jedes der Gedichte aber auch einen ernsten Unterton – es ist beileibe kein unpolitisches Werk, das man hier in Händen hält. Ruppel, der auch als Kabarettist unterwegs ist, thematisiert den Raubbau an der Umwelt, er kritisiert die Ausbeutung im Kapitalismus und kann nebenbei noch fein pointiert Glaubensfanatikern und der GEMA den Spiegel vorhalten.

Es macht von der ersten bis zur letzten Zeile einen Riesenspaß, dieses Büchlein zu lesen. Ich kann wirklich niemandem raten, nur einen kurzen Blick oder zwei in dieses Buch hineinzuwerfen, denn dafür ist es zu schade. Am besten, ihr kauft es euch direkt und stellt es für alle Fälle daheim ins Regal. So habt ihr – egal, ob ihr im Winter vorm Kamin hockt oder einen verregneten Herbstnachmittag auf der Fensterbank verbringt oder einen lauen Sommerabend im Liegestuhl – immer was passendes zum Lesen parat. Und hinterher werdet ihr einige Redewendungen aus anderem Blickwinkel betrachten, das verspreche ich euch!

Meine liebste Stelle im Buch muss ich zum Schluss noch zitieren, das kann ich mir leider dann doch nicht verkneifen:

Wer lacht, hat einen Schatz gefunden,
was auch den Traurigsten gelingt,
wenn jemand sie bei den Händen nimmt
und sie dann zum Lachen bringt.

Damit ist eigentlich alles gesagt…

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